Mehr Kabel für die Elektromobilität?
Wenn der Netzanschluss nicht reicht, lautet die Antwort oft: ausbauen. Warum eine zeitliche Verteilung häufig dasselbe leistet – schneller und ohne Tiefbau.
Die Photovoltaik auf den Hallendächern soll ans Netz, die Flotte wird elektrifiziert, in der Fertigung stehen neue Maschinen. Beim Termin mit dem Verteilnetzbetreiber kommt dann der Satz, der alles verzögert: Der bestehende Anschluss reicht nicht.
Das Nadelöhr ist die Gleichzeitigkeit, nicht der Jahresverbrauch
In den meisten Betrieben scheitert die Elektrifizierung nicht an der Strommenge über das Jahr, sondern an wenigen Momenten. Zwei davon sind typisch:
- Bezugsseitig. Um 17 Uhr kehren zehn Fahrzeuge an den Betriebshof zurück und stecken gleichzeitig an. Zusammen mit der Spätschicht überschreitet der Leistungsbedarf für kurze Zeit, was der Transformator hergibt.
- Einspeiseseitig. An einem klaren Junimittag liefert die PV-Anlage volle Leistung – der Netzbetreiber erlaubt aber nur einen Bruchteil davon als Einspeisung, weil das Ortsnetz sonst an seine Grenze käme.
Die naheliegende Antwort ist der Ausbau: Tiefbau, Kabel, größere Trafostation. Neben den Kosten steht dabei vor allem Zeit im Weg. Genehmigungsverfahren und Lieferzeiten für Transformatoren summieren sich, und in dieser Zeit ist das Vorhaben blockiert.
Der Speicher als Stoßdämpfer am Netzverknüpfungspunkt
Eine Batterie hinter dem Netzanschluss entkoppelt zwei Größen, die sonst identisch sind: die Leistung, die im Betrieb anliegt, und die Leistung, die über den Anschluss fließt.
Das wirkt in beide Richtungen. Stecken die Fahrzeuge an, deckt der Speicher die Spitze, und der Anschluss zieht weiterhin nur seine zulässige Leistung. Produziert die PV-Anlage mehr, als eingespeist werden darf, lädt der Überschuss die Batterie, statt abgeregelt zu werden – und wird abends im Betrieb verbraucht oder später eingespeist.
Nicht mehr Querschnitt, sondern eine andere Verteilung über die Zeit.
Was sich dadurch verschiebt
- Zeit. Ein Speicher ist eine Anlage auf dem eigenen Grundstück. Er hängt nicht an Tiefbauterminen und Trafolieferzeiten Dritter.
- Bindung. Ein ausgebauter Anschluss ist Infrastruktur an genau diesem Ort. Ein Speicher lässt sich erweitern, umwidmen und in weitere Betriebsarten einbinden.
- Nutzung. Der ausgebaute Anschluss liegt die meiste Zeit brach, weil er für den seltenen Extremfall bemessen ist. Der Speicher arbeitet auch dazwischen – an Lastspitzen und am Eigenverbrauch.
Wann der Ausbau trotzdem die richtige Antwort ist
Wenn nicht die Gleichzeitigkeit das Problem ist, sondern der Dauerbedarf. Steigt die Grundlast eines Betriebs nachhaltig über das, was der Anschluss hergibt, verschiebt ein Speicher das Problem nur. Er puffert Spitzen, er erhöht keine Dauerleistung.
Welcher der beiden Fälle vorliegt, steht im Lastgang. Deshalb beginnt die Prüfung dort und nicht bei der Frage, wie groß die Batterie sein soll. Zu einem belastbaren Vergleich gehört außerdem das Angebot Ihres Netzbetreibers – ohne dessen Zahlen ist jede Gegenüberstellung eine Schätzung.
Spitze oder Dauerlast?
Wir sehen uns Ihren Lastgang an und sagen, welcher der beiden Fälle bei Ihnen vorliegt.
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